Informationen zum Thema Pflegestelle

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Moderator: Pearl

Informationen zum Thema Pflegestelle

Beitrag#1von Pearl » 22. Jan 2011, 01:23

Informationen zum Thema Pflegestelle

Was ist eine Pflegestelle?

Eine Pflegestelle dient als vorrübergehendes Zuhause bis zur Endvermittlung eines Tieres. So werden Tiere, die sich in Notsituationen befinden, erstmal in einen gesicherten Rahmen unter gebracht.
Pflegestellen sind ein wichtiger Teil im Tierschutz und leisten eine große Vorarbeit um ein Tier endvermitteln zu können.

Warum sind Pflegestellen wichtig?

Auf der Pflegestelle leben die Tiere in der Regel in einem Familienverband und werden nach besten Verständnis integriert. Es wird gezielt auf die Bedürfnisse der Tiere eingegangen. Manche Tiere sind seelisch und körperlich sehr mitgenommen. Oft leiden sie an Unterernährung, mangelndem Sozialverhalten, sind weder stubenrein noch leinenführig. Die Menschen auf der Pflegestelle stecken viel Arbeit, Geduld, Zeit, Toleranz und Liebe in das Tier.

Wie wird man eine Pflegestelle?

Um als solche zu fungieren, sollte man sich vorzugsweise mit der gewünschten Tierart auskennen. Wer glaubt, ein Pflegetier ist eine billige alternative zu einem eigenen Tier, der irrt gewaltig und sollte sich sofort von diesem Gedanken trennen!
Es wird Sachkenntnis, Zuverlässigkeit, Verantwortungsbewusstsein, Durchhaltevermögen, Seriösität und Zeit von den Pflegeeltern erwartet. Darüber hinaus sollte man die Bereitschaft für evt. Komplikationen mitbringen und einkalkulieren. Dazu gehören auch Tierarztbesuche, Rehabilitationsmaßnahmen und Besuche bei einem Hundetrainer/Hundeschule.

Welches Tier erhält eine Pflegestelle?

Je nach Struktur der vielen Organisationen bekommt man entweder ein Tier zugewiesen oder kann sich in vielen Fällen ein bestimmtes Tier aussuchen, welches man in Obhut nehmen möchte. Das ist abhängig von den Lebensumständen, Bereitschaft und Kenntnis der Pflegestelle. Hierzu wird die Organisation beratend zur Seite stehen.

Welche Aufgaben hat eine Pflegestelle?

Die Pflegestelle hat die Aufgabe, das Tier erstmal aufzufangen. Die meisten Tiere sind gestresst und brauchen Ruhe.
In der Regel braucht ein Hund ca. 48 Stunden zur Eingewöhnung. Ein eigener Schlaf- und Futterplatz sollte selbstverständlich sein. Ist das Tier im Pflege-Zuhause "angekommen" beginnt die eigentliche Arbeit. Dem Tier wird systematisch die evt. Angst genommen, bekommt viel Liebe und wird phsychisch und physisch aufgebaut. Stubenreinheit, Leinenführigkeit, abrufen, Kinderverträglichkeit, soziale Verträglichkeit mit Artgenossen, Auto fahren, Stadtleben, andere Tierarten kennen lernen, spielen, toben und schmusen sind in der Aufbauphase inbegriffen. Jeder Tag der vergeht, wird das Tier mehr aufleben, sich artgerecht verhalten und wieder Freude am Leben zeigen. Sobald man das Tier ganz gut einschätzen kann, fällt es etwas leichter, die richtige Endstelle zu finden. Tierarztbesuche müssen vorher mit der Organisation abgesprochen werden.
Manche Vereine räumen den Pflegeltern alleine oder zumindest einen großteil der Entscheidung zur Endvermittlung ein. Bis das Tier ein endgültiges Zuhause gefunden hat, kann es Tage/Wochen bis Monate/Jahre dauern.

Hat die Pflegestelle anfallende Kosten zu tragen?

Im Regelfall kümmert die Pflegestelle sich um Futter, Leine, Halsband und Schlafkorb. Viele Vereine übernehmen die Versicherung und Artztrechnungen. Es gibt da aber leider große Unterschiede zwischen den vielen Organisationen. Da sollte man sich im Vorfeld genau erkundigen. Darüber hinaus ist es nicht selten, dass die Pflegeltern den Zögling vom Flughafen oder einer anderen Stelle abholen müssen. Auch die Abwicklung vieler Anfragen von potenziellen Interessenten zum Tier wollen per Mail und Telefon bearbeitet werden. Ebenso sollte man sich darauf einstellen, evt. selber Vorkontrollen durchführen zu müssen, für die man etwas weiter fahren muss.
Wenn man eine wertvolle Inneneinrichtung besitzt, eine teure Puppensammlung, einen pinibel gepflegten englischen Rasen, dann sollte man von dem Gedanken als PS tätig zu sein sehr schnell Abschied nehmen. Es kommt des öfteren vor, dass das Tier persönliches Eigentum beschädigt. Es wurde schon oft Missbrauch betrieben, daher werden sehr warscheinlich die meisten Organisationen derartige Schäden nicht in ihrer Haftpflichtversicherung mit drin haben.

Ja, ich will Pflegestelle werden!

Ist die reifliche Entscheidung gefallen und man hat einen Wunschkandidaten im Auge, setzt man sich mit der entsprechenden Organisation in Verbindung und bewirbt sich als Pflegestelle. Die Orga wird dann ein intensives Gespräch inkl. Vorkontrolle bei den Bewerbern durchführen. Spätestens bei diesem Gespräch müssen evt. geplante Urlaube oder sonstige Verpflichtungen bekannt gegeben werden, damit die Organisation nicht plötzlich von jetzt auf gleich ein Tier umsetzen muss, was sich häufig als schwierig heraus stellt. Man sollte immer berücksichtigen, dass man als PS das Tier bis zur Endvermittlung betreut!
Gibt es grünes Licht, dann wird der Wunschkandidat für die Ausreise vorbereitet. Hierbei gilt es unbedingt zu beachten, dass man immer wieder mit unvorhergesehenen Ereignissen rechnen muss. Es findet sich kein Flugpate, das Tier wird plötzlich im Ausland krank oder es gab eine Verwechslung oder das Tier konnte innerhalb des Auslandes erfolgreich vermittelt werden oder das Tier ist im schlimmsten Fall verstorben.

Wenn das Tier auf die Reise geht...

Die Reisevorbereitung und Durchführung erfolgt schnellstmöglich nach Zusage. Leider ist es nicht immer möglich den nahegelegensten Flughafen zu wählen. So muss man sich auch mal auf eine weitere Fahrt einstellen um das Tier in Empfang zu nehmen. In einigen Ausnahmefällen werden die Tiere auch mittels Fahrketten bis zum Empfänger transportiert. Wie auch immer das Tier zur Pflegestelle kommt - die Organisation steht im Regelfall zur Seite.

Was muss eine Pflegestelle unbedingt wissen?

Spätestens bei Übergabe des Tieres wird ein Pflegevertrag abgeschlossen.
Darin verpflichtet sich die Pflegestelle, das Tier bis zur Vermittlung unentgeltlich zu versorgen und ihm Familienanschluss zu gewähren.
Mit der Aufnahme des Pflegehundes erhält man auch alle erforderlichen Dokumente wie EU-Ausweis, Laborergebnisse der Mittelmeerkrankheiten-Tests und bestenfalls die Traces Papiere (offizielle EU-Reisepapiere).

Die Vermittlung des Pflegetieres

Für die gesamte Aufenthaltsdauer des Pflegetieres werden meist von Seiten der Orga auf verschiedenen Internetportalen Anzeigen geschaltet. Darüber hinaus kann die PS selbstverständlich auch selber aktiv werden indem man auf den Gassirunden Werbung macht, Handflyer verteilt, Plakate in Tierbedarfmärkten aufhängt usw.
Alle ernstzunehmenden Anfragen werden an die PS weitergeleitet oder laufen direkt über die PS.
Denn die Pflegestelle kennt das Tier am besten und wird eine genaue Vorstellung davon haben, wo das Tier am sinnvollsten untergebracht wäre. Es gibt jedoch auch Organisationen, bei denen der Vorstand die Entscheidung fällt, wer den Hund adoptieren darf. Eine Nachbetreuung nach erfolgter Vermittlung erfolgt entweder durch die PS oder der Organisation.
Es gibt immer wieder Fälle, in denen die PS sich gar nicht mehr vom Pflegling trennen möchte. Dann hat die PS ein Adoptionsvorrecht.

Einen Zögling loslassen

Jede Pflegestelle sollte stets berücksichtigen, dass das aufgenommene Tier irgendwann endvermittelt wird. Da man zu seinen Pfleglingen eine Beziehung aufbaut und somit das Gefühlsleben stark beeinflusst wird, kann der bevorstehende Abschied sehr schmerzen. Solche Momente können zu einschneidenen Erlebnissen führen. Nicht selten sieht sich die PS außerstande, solch eine Achterbahn der Gefühle immer wieder durchleben zu müssen - das bedeutet häufig das Aus der PS.
Trotz allem ist eine Pflegestelle eine wichtige Station im Leben eines Tieres und die investierte Arbeit wird sich auszahlen, wenn das Tier von den Adoptanten glücklich entgegen genommen wird und sich dort so richtig entfalten kann. In sehr vielen Fällen hält man Kontakt zu den Adoptanten und gelegentliche Treffen bestätigen, dass man seinen Zögling bestmöglich vermittelt hat.
Regelmäßig tätige Pflegestellen haben eine gewisse Routine in den Abläufen, was jedoch nicht bedeutet, dass die Arbeit abstumpft. Jeder weitere Zögling beinhaltet eine neue Herausforderung und ihn loslassen zu können, fällt einem etwas leichter. Was gibt es schöneres, als seinen Zögling und dessen Adoptanten als ein glücklich eingespieltes Team zu erleben?

Wie finde ich einen seriösen Verein?

Verantwortungsvoller Auslandstierschutz

Der Verein

Auf der Homepage des Tierschutzvereins muss erkennbar sein:

Handelt es sich um einen eingetragenen Verein?
Ist der Verein als gemeinnützig anerkannt?
Gibt es ein Partnertierheim vor Ort?
Wie sieht die Tierschutzarbeit vor Ort aus? Welche Ziele hat die Tierschutzarbeit?
Ist ein seriöses Impressum zu finden?
Das Ziel sollte nicht darin formuliert sein, möglichst viele Hunde nach Deutschland einzuführen, sondern im Herkunftsland der Hunde aktiv für nachhaltigen Tierschutz einzutreten.

Welpen – ein schmaler Grat

In Süd- und Osteuropa sitzen Tausende Junghunde und Welpen auf der Straße oder werden dort geboren. Finden sich allerdings auf der Homepage eines Tierschutzvereins fast ausschließlich sehr junge Hunde zur Vermittlung, ist Vorsicht angesagt. Es kann ein Zeichen für unseriöse Vermittlung oder sogar Handel sein, muss aber nicht. Manchmal gibt es regelrechte Welpen-Schwemmen und da die Welpensterblichkeit oft hoch ist , versuchen Vereine, die Tiere möglichst schnell zu vermitteln, um ihnen einen guten Start ins Leben zu bieten. Da sich aber vor allem junge Tiere besonders gut vermitteln lassen, nutzen unseriöse Vereine Welpen, um schnell an „Schutzgebühren“ zu kommen.
Eine verantwortungsvolle Tierschutzorganisation hat auf Nachfragen zum Thema Welpen plausible Antworten parat und gibt gerne ausführlich Auskunft.

Das Spiel mit Emotionen

Vorsicht bei Tierschützern, die haufenweise grauenhafte Bilder von gequälten Tieren ins Netz stellen oder enormen Druck ausüben, ein Tier vor dem Tod zu retten. Nach dem Motto: „Heute noch bei Facebook, morgen schon tot.“ Hinter diesen Aktionen steht nicht unbedingt unseriöser Handel, sondern oft der verzweifelte Wunsch, zu helfen. Doch gut gemeint ist noch lange nicht gut gemacht. Eine seriöse Vermittlung mit veterinärmedizinischer Betreuung und Abgleich von Interessen Hund/zukünftiger Halter ist bei dieser Art von „Rettung“ meist nicht gegeben. Denn was passiert, wenn der Hund ankommt und es passt nicht? Wohin dann mit dem Tier?

Um solche Szenarien zu vermeiden, gibt es eine Checkliste für die seriöse Auslandsvermittlung:

**Der Schutzvertrag sichert den Tierschutzverein und den neuen Besitzer ab. Darin wird festgehalten, dass der Hund jederzeit vom Verein zurückgenommen wird, aber auch, dass er nicht an Dritte weitergegeben werden darf.

**Die Schutzgebühr: Kastration, Impfung, Betreuung, die Behandlung kranker Tiere und auch der Transport kosten den Tierschutzverein Geld. Die Schutzgebühr deckt diese Kosten und im Idealfall fließt auch noch Geld zurück in die direkte Hilfe vor Ort im Herkunftsland. Der Betrag der Schutzgebühr kann variieren, Summen zwischen 280 und 350 Euro sind normal. Fällt die verlangte Schutzgebühr höher aus, einfach nachfragen. Transparenz ist hier das Stichwort!

**Impfschutz: Jeder Hund braucht eine Grund-Immunisierung vom Tierarzt, auch Auslandshunde. Neben der der vorgeschriebenen Tollwut-Impfung bei Tieren, die aus EU-Ländern stammen, zählen gegen Zwingerhusten, Staupe, Hepatitis, Parvovirose, und Leptospirose. Fehlt eine Impfung, ist das nicht unbedingt sofort ein Anhaltspunkt für unseriösen Tierschutz – nicht in jedem EU-Land wird gegen die gleichen Krankheiten geimpft. Nachfragen!

**Parasiten: Der Hund sollte vor der Vermittlung entfloht, entwurmt und auf Giardien getestet sein. Auch eine Untersuchung auf Herzwürmer ist sinnvoll.

**Chip: Jeder Hund muss mit einem Transponder gekennzeichnet werden, der mit einer Spritze beim Tierarzt unter die Haut gesetzt wird. Nur so lässt sich das einzelne Tier seinen Papieren zuordnen. Achtung: Bei einem Besitzerwechsel wird die Nummer nicht automatisch bei einem Haustierregister dem neuen Halter zugeordnet. Der neue Besitzer muss selbst für die Registrierung auf die neue Adresse sorgen, übrigens auch bei Umzug!

**Kastration… ist im seriösen Tierschutz unumgänglich.

Einführung mit TRACES

Seriöse Tierschutzvereine transportieren ihre Hunde mit TRACES. TRACES ist eine einheitliche, europaweite Datenbank mit der die Tiertransporte innerhalb der Europäischen Union und aus Drittländern verfolgt werden können. Die Informationen werden elektronisch an die Veterinärbehörden der jeweiligen Länder übermittelt. Heißt: Alle Transporte sind angemeldet, inklusive genauer Route und Zwischenstopps. Die Tiere werden vor der Ausreise aus dem Herkunftsland tierärztlich durchgecheckt und für reisetauglich befunden. Mit TRACES soll unseriösem Handel, tierschutzwidrigen Transportbedingungen, sowie der Einschleppung von Seuchen und Krankheiten entgegengewirkt werden.

Vorkontrolle und Nachkontrolle

Verantwortungsvolle Tierschützer möchten nicht nur wissen, wo ihre Schützlinge landen, sondern auch, wie es Ihnen nach der Vermittlung ergeht. Deshalb wird eine Vorkontrolle im neuen Zuhause gemacht. Je nachdem, wo der Verein ansässig ist, kann es vorkommen, dass Ehrenamtliche eines befreundeten Tierschutzvereins die Kontrollen übernehmen. Bei der Vorkontrolle sollte es hauptsächlich darum gehen, ob Hund und Halter zusammenpassen und ob die Umgebung und Haltungsbedingungen für den jeweiligen Hund geeignet sind. Bei der Nachkontrolle überzeugen sich die Tierschützer, ob die Vermittlung zur Zufriedenheit aller Beteiligten geklappt hat.

Autorin: Katja Diepenbruck
Quelle:WDR



Bitte beachten:

Manchmal kann es sein, dass ein Hund aus dem Tierschutz nicht genau der jeweiligen Beschreibung entspricht, da ein Hund sich in verschiedenen Umgebungen unterschiedlich verhält oder sich im Nachhinein eine Krankheit bei dem Hund herausstellt, von der leider vorher nichts bekannt war.
Das ist keine Absicht, sondern einfach das Leben.


Wer bis hierhin alles gelesen und nicht das Weite gesucht hat, der könnte durchaus eine potenzielle Pflegestelle werden :zwinker:
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